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Mehr Leben

Achtung Satire: Die verwurzelten Panther mit Biss

PrintWir freuen uns immer, wenn Humor und Selbstironie auch unter schwierigen Bedingungen gezeigt wird. Diesmal hat uns das Laien-Kabarett mit dem schönen Namen „WiFö“ einen wunderbar satirischen Auftritt geschenkt.

Die Guerilla-Spaßmacher haben mit einer fiktiven Website so getan, als seien sie die echte Wirtschaftsförderung des Landkreises Traunstein. Die sehr im verborgenen arbeitende Truppe tritt nur alle zwei Jahre an das Licht der Öffentlichkeit und auch dieses Mal wählten die Humoristen eine Gewerbeschau als Auftakt ihrer Aktion. An gleicher Stelle hatten Sie bereits vor zwei Jahren mit der total witzigen und gewollt erfolglosen Aktion „Die Beste Zukunft der Welt“ für gute Unterhaltung gesorgt.

Jetzt gehen die subversiven Satiriker weiter und nehmen sich auf humorvolle Art der drängenden Probleme des demographischen Wandels, des stark rückläufigen Interesses an einer betrieblichen Ausbildung und des Fachkräftemangels an. Unter dem Titel „Wirtschaftsregion Traunstein“ veröffentlichte die Comedian-Truppe einen Webauftritt der vorgibt, diese Probleme sachkundig und erfolgsorientiert anzugehen.

Mit dem Titel „Bayern mit Biss-Region mit Biss“ knüpfen die Spaßvögel offenbar an die Twilight-Saga an und lassen so den Besucher des Webauftritts keine Sekunde darüber im Unklaren, dass es sich hier nur um Fiction handeln kann. Auch Wahl des Logos spricht für Satire: gezeigt wird ein Panther, eine bekanntermaßen in der Region fest verwurzelte Großkatze, die – eigentlich ein Leopard – durch Melanismus schwarz wurde, oder sich sogar (Witz“!!!) schwarz geärgert hat. Natürlich wollten die intellektuellen Satiriker mit der Wahl der Katze auch auf das Pseudonym Peter Panter hinweisen, hinter dem sich ja der Schriftsteller Kurt Tucholsky verbarg.

Neben dem Biss (ein gut gemeinter Hinweis auf die Münchener Organisation „Bürger in sozialen Schwierigkeiten“) ist auch die „Wurzel“ ein wichtiges Motiv der gelungenen Satire. So wird uns auf der fiktiven Webseite ein enorm unlogisches und verschwubeltes Zitat entgegengehalten: „Verwurzelt sein heißt, seinen Standort freiwillig zu wählen.“ Der Erfinder dieses Sätzchens ist übrigens Klaus Ender, einer der bekanntesten Akt-Fotografen der ehemaligen DDR.

Titel Woge.inddEr sprach bei seinen weiblichen Modellen gerne von „Frau und ihrem köstlichen Dreieck“ – sicher ein kritischer Hinweis der Traunsteiner Humoristen auf die geringe Quote von Frauen in Führungspositionen.

Auch der Text der Persiflage zeugt von enormer Kreativität: Unter der Überschrift „Bayern mit Biss – Region mit Biss“, schreiben die genialen Scherzbolde : „Wer selbstbewusst und mit Biss in der regionalen und globalen Wirtschaft agieren will, braucht den Rückhalt seiner Angestellten. Und diese findet man im Chiemgau. Die Einwohner des Landkreis Traunstein sind tief mit ihrer Heimat verwurzelt und identifizieren sich mit dieser. Die Chiemgauer leben ihre Traditionen und Bräuche mit Herzlichkeit und Authentizität. Zahlreiche Veranstaltungen zu jeder Jahreszeit laden die Menschen ein, die bayerische Lebensart zu genießen und daran teilzuhaben. Diese Bodenständigkeit und Treue zu ihrer Heimat übertragen die Bewohner auch auf ihr Arbeitsleben und machen den Wirtschaftsstandort Traunstein zu dem, was er ist: eine Region mit Biss.“ So schreibt der Dadaist, wunderbare Leküre ohne tieferen Sinn.

Um von vornherein jegliche Verwechslung mit einem ernst gemeinten Internetauftritt zu vermeiden, haben sich die Macher für ein Sprachniveau entschieden, wie wir es aus dem Kurs „Deutsch als Fremdsprache “ kennen. Auch das hemmungslose „Geduze“ der Leser und die damit verbundenen groben Schwächen in der Orthographie lassen problemlos den Scherz erkennen. Daneben läßt die Gestaltung des Auftritts, der an das Layout der Speisekarte in einem Seniorenheim gemahnt, auch keine Verwechselung mit einer realen Lösung für drängende Probleme mittelständischer Unternehmen zu.

Wie gut, dass dieser lustige Auftritt eine Satire ist, nicht auszudenken, wenn die Unternehmen, der Nachwuchs und die hier arbeitenden Menschen sich in einer solchen Präsenz wiederfinden sollten.

In diesem Sinne: „Wir arbeiten nicht nur, um etwas zu produzieren, sondern auch um der Zeit einen Wert zu geben.“

 

 

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