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Mehr Leben

Bumillo – Es gilt das gesprochene Wort

Christian Bumeder aus Reit im Winkl ist unter seinem Künstlernamen „Bumillo“ als Autor, Slam Poet, Moderator und Kabarettist erfolgreich.

1045189_656900894337286_1439529142_nUnser Treffen mit Christian Bumeder, alias „Bumillo“, beginnt mit einer sehr banalen Frage: „Du arbeitest so vielseitig – wie bezeichnest Du Dich selbst, was ist Dein Beruf?“ „Entertainer lautet die Antwort“, sagt der gebürtige Rosenheimer und lacht dabei. „Meine Arbeit ist so breit gefächert: Autor, Slam Poet, Moderator, Kabarettist, etc. Da ist es, gerade wenn es sich um behördliche Angelegenheiten dreht, gar nicht so leicht, den einen passenden Beruf zu nennen. Denn oftmals gibt es im bürokratischen System auch gar nicht so viel Auswahlmöglichkeit – da ist Entertainer dann immer noch das Passendste“.

Der dreiunddreißigjährige Christian Bumeder ist in Reit im Winkl aufgewachsen, lebt in München und kommt aber immer wieder gerne in seine Heimat zurück. „Den Schlüssel für eine Wohnung dort zu haben ist schon eine feine Sache, außerdem lebt ja meine Mutter dort, die mittlerweile übrigens schon Oma ist – ich habe eine knapp zweijährige Tochter. Und ganz wichtig ist mir natürlich mein Verein: der FC Reit im Winkl. Auf dem Dach des alten Fußballhäusl zu sitzen ist das Größte für mich. Da kann ich runterkommen, abschalten, neue Ideen sammeln. Dem Platz habe ich sogar den letzten Part meines allerersten Soloprogrammes „VEIT CLUB“ gewidmet.

„Imma wenn I nimma weida woaß dann fo I hoam

weil dahoam do gibt’s an Blootz do vagies I olle Soang

Wenn I am Duachdrahn bin wia in Inception da Kreisl

dann steig I einfach rauf auf mei Fuaßboiheisl

Dann hock I mi aufs Dooch

Schau ma’d Waid o und denk noch …

Weil do ohm drei Meter überm Boon

konn I mi saiba bessa hean

Wer war I? Wer bin I? Und wer mächt I wean?“

Und auch die Fahrt nach Reit im Winkl ist immer wieder höchst inspirierend. Oft kommen Freunde zu mir und sagen: Hey Bummi, ich fahre am Freitag nach Reit. Soll ich Dich mitnehmen? Aber das sage ich oft ab. Ich liebe die Anreise mit Zug und Bus einfach zu sehr“, schwärmt er. München und Reit im Winkl – die beiden Orte kann man als seine Heimatorte bezeichnen, dort fühlt er sich wohl. „Solange eine Acht an erster Stelle der Postleitzahl steht, ist eigentlich alles in Ordnung für mich“.

Non scholae sed vitae discimus

Sein Talent als Spoken-Word-Poet hat sich bereits während der Schulzeit im Landschulheim Marquartstein herauskristallisiert. „Ich war nie der fleißigste Schüler. Aber wenn es im Deutschunterricht zum Lesen kam, habe ich immer schnell die Passagen mit dem meisten Text herausgesucht und mich dafür gemeldet. Meine damalige Deutschlehrerin Frau Bader hat mir dann vorgeschlagen doch der Theatergruppe beizutreten und von da an kam eigentlich eines zum anderen. Nach dem Abitur habe ich im Zivildienst die Theater-AG dort geleitet, es gab ein tolles deutsch-tschechisches Schülerprojekt und erst jetzt, fast fünfzehn Jahre nach meinem Abschluss, hatte ich dort endlich meinen ersten Auftritt. Die AK-Patenkind hat eine Benefizveranstaltung organisiert und mich dazu eingeladen. Gleich zu Beginn habe ich mich bei zwei Lehrern für den nicht ganz glücklichen Abischerz damals entschuldigt. Damit war das Eis gebrochen. War echt toll. Nur ein paar Tage darauf hatte ich im Freiraum Übersee einen Poetry Slam, den ich nun bereits seit einigen Jahren organisiere und leite. Dorthin sind dann auch einige Schüler und Lehrer gekommen.“

Nach der Schulzeit wollte Christian eigentlich Theater-Regisseur werden. Zwar wurde er immer in die letzte Bewerbungsrunde eingeladen, jedoch hat es für den begehrten Platz nie gereicht. Darum folgte ein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften an der LMU, dem er mit der Dissertation zum Thema „Mediale Inception – Zu einer Erzähltheorie des Bewusstseinsfilms“ gleich noch eines daraufgesetzt hat. „Anfangs hätte mir beinahe die Wirtschaftskrise einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn es wurden fast keine Stipendien vergeben. Aber ich wollte nicht länger warten und habe es einfach ohne gemacht. Im Januar letzten Jahres wurde die Dissertation dann im Verlag Königshaus & Neumann veröffentlicht. Das macht mich schon wahnsinnig stolz. Und jetzt wurde ich auch zu meinem ersten Vortrag zum Thema „Shutter Island“ nach Wien eingeladen.“

Multi-Unternehmer in Sachen Wort

Zum Poetry Slam ist „Bumillo“, so wie er im Freundeskreis bereits seit 1999 genannt wird, 2006 gekommen. Damals hatte er ein Plakat für die deutsche Poetry Meisterschaft gesehen und entschieden sich das anzusehen. „Ich habe das erste Halbfinale gesehen und muss sagen, ich war echt enttäuscht, hatte mir mehr erwartet. Aber das zweite Halbfinale hat mich dann wirklich geflasht, das war ultrastark. Das hat wohl die Auslosung so ergeben: erst ein schwaches und dann – bähm – ein absolut starkes Halbfinale. Da wusste ich dann: ich will und werde das auch machen!“

11053291_939976062690903_6007122721551402736_nBereits ein Jahr darauf stand Bumillo selbst bei den Deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Berlin im Halbfinale. Seitdem ist er in der Münchner Kleinkunst- und Kabarettszene gar nicht mehr wegzudenken. Der monatliche Schwabinger Poetry Slam, die Lesebühne „Die Rationalversammlung“, der „Milla Song Slam“ und sein Soloprogramm VEIT CLUB, für das es gleich fünf Zusatzveranstaltungen gab. Darüber hinaus leitet er die Rap-Poetry-Klasse am Münchner Jugendtheater SchauBurg, die sämtliche Preise abräumt und veranstaltet kreative Schreibworkshops in ganz Deutschland.

Und die Liste lässt sich noch ewig fortführen. Stand-up gehört seit Neuestem auch dazu „Eine ganz neue und spannende Erfahrung nur mit ein paar Stichwörtern die Bühne zu betreten“ erzählt er mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. „Ja, man hat mir schon vorgeschlagen als Motivationstrainer zu arbeiten. Vielleicht später einmal.“ Seine Auftritte finden vor allem im bayerisch-sprachigen Raum statt. „Das hat sich während der Zeit meiner Doktorarbeit so entwickelt, wäre auch zeitlich gar nicht anders gegangen. Aber so habe ich mich hier etabliert und gerade jetzt mit meiner jungen Familie ist es natürlich ein Traum, dass ich nicht groß auf Reisen gehen muss. Für besondere Schmankerl mache ich da aber gerne Ausnahmen.“

Dieses Jahr kommt im Herbst seine CD “VEIT CLUB” auf den Markt – sein persönliches Highlight 2015. Veröffentlichen wird es „Bumillo“ bei dem Label International Bohemia aus Bergen. „Wenn, dann muss es schon ein regionaler Produzent sein. Es ist sowieso sensationell, was bei uns in den Dörfern passiert. Der Freiraum in Übersee, der Weinmüller in Siegsdorf in Siegsdorf, der Ladenbergen in Bergen mit International Bohemia eben. Da tut sich überall wahnsinnig viel! Zum Tanzen kann man dann ja nach Traunstein fahren, aber die Kultur passiert auf dem Land.“ Bereits 2013 hat er mit dem Reit im Winkler DJ und Produzenten Dammerl zwei EPs „Mingration“ und „Wiara wuida im woid“ herausgebracht.

Zum Schluss verrät uns Bumillo noch das Rezept für seinen Erfolg: „Das was ich mache, mache ich mit allergrößter Leidenschaft, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Und meine größte Stärke ist sicherlich, dass ich mich für etwas über Jahre hinweg absolut begeistern kann und wahrscheinlich auch, dass ich alles habe sich entwickeln lassen und nichts erzwungen habe. Das hat dazu geführt, dass es jetzt im Moment ganz gut aussieht.“ Und wir freuen uns auf das, was er uns noch zu bieten hat.

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