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Mehr Süden

Chiemgauhof Locking: Engagement statt Massenproduktion

img_0037Florian Reiter betreibt mit seiner Familie den Chiemgauhof Locking bei Amerang, einen der ältesten Gutshöfe weit und breit. Die Quelle, aus der die Sauen dort trinken, nutzten schon die Kelten. Dieser historische Bezug setzt sich – nicht ganz zufällig – bei den Schwäbisch-Hällischen Landschweinen auf dem Hof fort, denn der Ursprung diese Rasse läßt sich auf die Kelten zurückführen. Ein schönes Detail, das auch symbolisch für die engagierte und geschichtsbewußte Arbeit des Landwirtes ist.

Im Gespräch mit den Mitgliedern der Familie Reiter wird deutlich, dass die Arbeit auf und mit dem Hof aus vollster Überzeugung betrieben wird, auch wenn es nicht immer leicht ist. Würde nicht jede Generation mit anpacken, wäre die Erhaltung des Hofes kaum möglich. Reiter stellte seinen Hof vor einigen Jahren auf die Haltung von Zweinutzungshühner um, denn zu 40 Millionen Eintagsküken wollte er einfach keinen Beitrag mehr leisten. Natürlich muss sich die Arbeit mit dem Federvieh auch rechnen und der erste Versuch mit einer bayerischen Landrasse sorgte für eher ernüchternde Ergebnisse. Im Landkreis Mühldorf jedoch hat Florian Reiter mit der Brüterei von Christian Hetzenecker, die sich auf genau diese Rassehühner spezialisiert hat, einen zuverlässigen Partner gefunden. Zwar ist der Ertrag niedriger, d.h. weniger gelegte Eier und die Hühner wachsen auch langsamer, jedoch lässt sich mit der besonderen Qualität auch ein besser Preis erzielen, als mit einer konventionellen biologischen Mast.

Bei der Zweinutzungshühnerrasse Les Bleues handelt es sich um die ursprünglich aus Frankreich stammenden Bresshühner, die zu den großen Delikatessen des Landes zählen, da ihr Fleisch um einiges feiner, fester und vor allem geschmackvoller ist als das seiner konventionellen Artgenossen. Das eigentlich besondere dieser Rasse jedoch ist – wie die Bezeichnung Zweinutzungshuhn schon sagt – dass sowohl die Hennen als auch die Gockel ihre Daseinsberechtigung haben. Die Hennen legen qualitativ hochwertige Eier, wenn auch um ein Drittel weniger als bei Hybridhühnern und werden anschließend als Suppenhuhn verkauft. Die Gockel setzen hingegen wesentlich mehr Fleisch an und dienen als Brathähnchen. Antibiotika und andere Erzeugnisse der Pharmabranche sind für deren Haltung nicht nötig, denn allein durch die gesunde Aufzucht und Fütterung entwickeln die Tiere ausreichend Widerstandskraft.


Momentan werden auf dem Hof circa 600 Hühner und rund 30 Schweine gehalten, die Menge richtet sich nach dem Umfang des eigenen Futteranbaus. Neben Eiern, Brathähnchen und Suppenhühnern gibt es küchenfertig zerlegtes Schweinefleisch sowie Wurstwaren und Geräuchertes daraus. Außerdem werden Kartoffeln der Sorte Ditta, Margit und Granola angebaut, sowie die alte gelbe Rübensorte Oxhella. Gut zwei Drittel der Produkte finden ihren Absatz im Verkauf ab Hof, für den man sich am Besten für den Newsletter registriert. Ansonsten kauft man die Spezialitäten entweder in ausgewählten regionalen und Münchener Biomärkten, über die Schwäbisch-Hällische Erzeugergemeinschaft nun auch bundesweit oder lässt sich damit von Matthias Schmid und seinen Kochservice Private Cooking Chiemgau bekochen. Ganz besonders freut uns auch, dass die Kinderküche Mehringer in München mit Produkten vom Chiemgauhof Locking den Kindern von klein auf ein Verständnis für Qualität vermittelt.

Und für alle Hobbyköche hält die Familie stets die passenden Rezepte parat. Denn eines darf man nicht vergessen: eine Zweinutzungshuhn ist eben kein Hybridhuhn und das zeigt sich zum einen bei der Zubereitung als auch beim Geschmack – und der überzeugt.

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