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Mehr Süden

Chiemgauhof Locking – Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn

Der Chiemgauhof Locking in AmerangDer Chiemgauhof Locking bei Amerang ignoriert die konventionelle Hühnermast und setzt voll und ganz auf die Zucht des Zweinutzungshuhn Les Bleues.

Der gelernte Landwirt Florian Reiter betreibt den kleinbäuerlichen Betrieb bei Amerang, der sich seit Generationen in Familienbesitz ist, frei nach dem Motto: Wir töten keine Küken und lassen die Sau raus“. Was bedeutet: aus Überzeugung werden auf dem Naturland-Betrieb ausschließlich Zweinutzungshühner gehalten und eine Schweinemast betrieben, bei der die Nutzschweine, in diesem Fall die Rasse Schwäbisch-Hällisches Landschwein, auch tatsächlich auf den Weiden leben dürfen.

Bei der Zweinutzungshühnerrasse Les Bleues handelt es sich um die ursprünglich aus Frankreich stammenden Bresshühner, die dort zu den großen Delikatessen des Landes zählen, da ihr Fleisch um einiges feiner, fester und vor allem geschmackvoller ist als das seiner konventionellen Artgenossen. Das wirklich besondere dieser Rasse jedoch ist – Rassehuhn Les Bleues auf dem Chiemgauhof Lockingwie die Bezeichnung Zweinutzungshuhn schon sagt – dass sowohl die Hennen als auch die männlichen Gockel ihre Daseinsberechtigung haben. Die Hennen legen qualitativ hochwertige Eier, wenn auch um ein Drittel weniger als bei Hybridhühnern und werden anschließend als Suppenhuhn verkauft. Die Gockel setzen hingegen wesentlich mehr Fleisch an und dienen als Brathähnchen. Antibiotika und dergleichen sind nicht nötig, denn allein durch die gesunde Aufzucht und Fütterung entwickeln die Tiere genug Widerstandskraft.

Der Biobauer Reiter betreibt seinen Hof aus tiefster Überzeugung, denn 40 Millionen Eintagsküken wollte er einfach nicht mehr länger unterstützen. Natürlich muss sich die Arbeit auch wirtschaftlich rechnen und der erste Versuch mit einer bayerischen Landrasse sorgte für eher ernüchternde Ergebnisse. Im Landkreis Mühldorf jedoch hat Florian Reiter mit der Brüterei von Christian Hetzenecker, die sich auf genau diese Rassehühner spezialisiert hat, einen zuverlässigen Partner gefunden. Zwar ist der Ertrag niedriger, d.h. weniger gelegte Eier und die Rassehühner wachsen auch langsamer, jedoch lässt sich mit der besonderen Qualität auch ein höherer Preis erzielen, als mit einer konventionellen biologischen Mast.

Schwäbisch-Hallisches Schwein auf dem Chiemgauhof Locking bei AmerangMomentan werden auf dem Hof circa 600 Hühner und rund 30 Schweine gehalten, die Menge richtet sich nach der Verfügbarkeit des eigenen Futteranbaus. Neben Eiern, Brathähnchen und Suppenhühnern gibt es das küchenfertig zerlegte Schweinefleisch, sowie Wurstwaren und Geräuchertes daraus. Außerdem werden Kartoffeln der Sorte Ditta, Margit und Granola angebaut, sowie die alte gelbe Rübensorte Oxhella. Gut Zwei Drittel der Produkte finden ihren Absatz im Verkauf ab Hof, für den man sich am Besten für den Newsletter registriert. Ansonsten bekommt man die Spezialitäten entweder in ausgewählten regionalen Biomärkten und die Münchner haben die Chance die feinen Sachen über den Regional Markt München zu beziehen. Alles selbstverständlich abhängig von Verfügbarkeit und Saison. Seit gestern gibt es übrigens wieder frisch geschlachtete Hühner.

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