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Mehr Unternehmen

Da wo die (Fach-) Kräfte mangeln

Mitarbeiter_630x350Die Debatte um den Fachkräftemangel ist ein medialer Dauerbrenner, seit Jahren werden überall gute Leute gesucht, aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass die Unternehmen zwar den Mangel beklagen, aber für mögliche Lösungen auch nicht reif sind. Derzeit sehen die bayerischen Unternehmen  Fachkräftemangel als eines der größten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung, zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung der IHK-Konjunkturbefragung Herbst 2013 von rund 4.000 Unternehmen.

Rund 38 % der Unternehmen fürchten, dass Fachkräftemangel ihre wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten beeinträchtigen könnte. Branchenübergreifend hatten 30 % der befragten Unternehmen offene Stellen, die sie mehr als zwei Monate nicht besetzen können. Überraschungen bei den Lösungsansätzen gibt nicht, denn bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels setzen die bayerischen Unternehmen hauptsächlich auf Aus- und Weiterbildung – eine Strategie, die angesichts sinkender Azubi-Zahlen langfristig wenig Erfolg verspricht.

Wenn es darum geht, dem Mangel an geeigneten Mitarbeitern in der Zukunft zu begegnen, wollen die Unternehmen vor allem die Rekrutierung aus dem Ausland forcieren. Während derzeit lediglich 17% der Unternehmen Fachkräfte bzw. 4 % Auszubildende aus dem Ausland einstellen, planen dies für die Zukunft schon 27 % (Fachkräfte) bzw. 10 % (Auszubildende). Schöne Idee, aber Unternehmen, die sich schon mit einem muttersprachlichen Internet-Auftritt schwertun und in einer etwas weniger zentral gelegenen Regionen wie Südostoberbayern ihrem erfolgreichen B2B-Geschäft nachgehen, dürften auf absehbare Zeit wohl wenig Attraktivität für ausländische Mitarbeiter verströmen. Darüber hinaus ist die Integration dieser Mitarbeiter und ihrer Familien eine ernste und wichtige Aufgabe, auf die Unternehmen in unserer Region nur in Ausnahmefällen vorbereitet sind.

Wie ausländische Azubis gewonnen werden sollen, bleibt absolut schleierhaft, denn die Landkreise in der Region sind ja meist nicht einmal mehr für die Jugendlichen am Standort attraktiv genug und haben mit sinkenden Nachfrage nach Ausbildungsplätzen zu kämpfen. Was einerseits an der altbackenen und ideenlosen Ansprache der Zielgruppe anderseits an Demografie und dem Wunsch nach einem Studium liegt.  Die Lücke jetzt mit Azubis aus Spanien, Bulgarien oder Polen stopfen zu wollen, erscheint gelinde gesagt naiv, denn wenn die Kommunikation schon nicht vor der Haustür klappt, ist das eher kein Erfolgsgarant für grenzüberschreitende Rekrutierung. Zumal auch hier die Integration der Jugendlichen eine große Herausforderung ist, die nur in einem funktionierendem Netzwerk von Unternehmen, Schulen, Vereinen und anderen Institutionen gelöst werden kann. Über die Sprachbarriere brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter zu sinnieren.

Besonders erfreulich ist auch, dass Unternehmen sich künftig intensiver der Steigerung ihrer Arbeitgeberattraktivität widmen wollen. Dazu die IHK-Studie:“Die bayerischen Unternehmen wollen zukünftig mehr in Maßnahmen zur Steigerung ihrer Arbeitgeberattraktivität investieren. Allerdings ist hier ein klarer Trend zu erkennen, wonach der Anteil der Unternehmen, die aktiv an ihrer Arbeitgeberattraktivität arbeiten, mit der Unternehmensgröße steigt. Zwar wollen auch kleine Unternehmen zukünftig mehr in diesen Bereich investieren als derzeit, aber mit  durchschnittlich 36 % in der Betriebsgröße bis 49 Mitarbeiter liegt der Anteil deutlich unter dem von großen Unternehmen. In der Größenklasse 500 – 1.000 Mitarbeiter liegt der Anteil bei 69 %, bei über 1.000 Mitarbeitern sogar bei 79 %.“

Schön, bis dahin ist es ein langer Weg, als erste Übung sollten die Unternehmen aller Branchen begreifen, dass „Bewerber“ schon längst zu „Kunden“ geworden sind, die Offenheit und Transparenz von einem Unternehmen erwarten, seine Standpunkte kennenlernen wollen und mehr die Region und die eigenen Chancen wissen wollen, als das was uns heute in plattem Marketing-Sprech auf den Broschüren, Anzeigen oder Webseiten der Unternehmen so anblickt.

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  1. […] Schritt hin zu einem modernen Bewerbermanagement und ein gutes Instrument gegen den wachsenden Fachkräftemangel. Schön wäre es, wenn der Talentpool nicht nur auf den Landkreis Altötting beschränkt bliebe und […]

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