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Mehr Leben

KunstWortKunst – Einfach nicht beachtet werden

“Einfach nicht beachtet werden” von Jonas Eschenfelder ist einer von vier ausgezeichneten Texten des Schreibwettbewerbs „KunstWortKunst“ rund um Arbeiten des Museums DasMaximum

Neun Gymnasien und DasMaximum, 46 literaturbegeisterte Zehntklässler von Altötting bis Inzell, jede Menge großartiger Texte und – stellvertretend für sie – vier Preisträger. Das ist das Ergebnis eines Projekts, in dem Schüler aus den Gymnasien der Landkreise Traunstein und Altötting einen individuellen von einem Kunstwerk inspirierten Text geschrieben haben. Wir stellen jeweils Freitags die Texte der Preisträger Max Christis, Anja Perschl, Jonas Eschenfelder und Annalena Plereiter vor.

 

Einfach nicht beachtet werden
Von Jonas Eschenfelder

„Einfach nicht beachtet werden, nur hier leben und hier sterben. Einfach nicht beachtet werden, die Gesellschaft nicht verärgern. Einfach nicht beachtet werden, das scheint sich zu bewähren. Einfach! Nicht! Beachtet! Werden! “

Ich habe es versucht. Immer aufpassen, nichts sagen. In der Schule sich ja nicht melden, könnte ja falsch sein und selbst wenn es richtig ist, ist man schlauer als alle anderen und dann fällt man ja auf. Wenn ein Lehrer meint, einmal eine Diskussion zu veranstalten, muss er bestimmen, wer was sagt und am Ende kommt doch nichts dabei heraus. Das ist so langweilig. Ich habe es versucht, aber es ging nicht. Da wurde ich eben bunt. Rot, gelb und blau, das war schön. Mal endlich von der braunen Masse abheben. Und schon hing ich am Ende des Raumes. Mindestens 2 Meter Abstand zum nächsten.

Einfach nicht beachtet werden! Das könnte man an jeden von ihnen dran schreiben, aber dann würden sie was aussagen, sie würden dann eine Meinung haben, man würde sie anschauen, man würde sie beachten. Einfach nicht beachtet werden! Dabei sind sie ja angeblich verschieden. Der eine ist groß, der andere klein, der eine dick, der andere dünn. Doch vor deinem Auge verschwimmen sie zu einer gesichtslosen Masse, die sich wie etwas Besseres fühlt und doch von keinem beachtet wird.
 Einfach nicht beachtet werden! Am Anfang gefiel es mir so abgesondert zu sein, doch jetzt wünsche ich, mir doch einen Freund, der genauso denkt und fühlt, der einfach genau so ist wie ich oder wenigstens ein bisschen so wie ich. Der ganz Rechte zum Beispiel. Er ist nicht so abnormal normal. Er bekennt ein bisschen Farbe, er ist ein wenig rot, das ist zwar nicht viel, aber dafür wird er immer ein bisschen beäugt, er wird ein bisschen beachtet.

Einfach nicht beachtet werden! Ich träume von dem Raum neben uns. Von meinem Platz aus sehe ich die Farbenpracht sehr gut. Ach, wie schön es wäre da zu sein, dort wäre ich eine ganz normale Abnormalität. Mir würde die gleiche Achtung geschenkt, wie den anderen. Dort wäre ich ganz… normal. Aber will ich das? Will ich ganz normal sein? Bleibt man dann nicht auch unbeachtet? Nein, ich will da nicht hin. Ich gehöre hierher, denn die Normalität braucht das Abnormale, wie die Abnormalität das Normale braucht. Denn wenn nichts normal ist, ist dann normal sein etwa abnormal?

Anm. des Autors: In dem Text wird öfters braun als Beschreibung für die „anderen“ benutzt. Das ist auf die Farbe des Kunstwerks „Habe und Ehre“ zurückzuführen und in Erster Linie nicht politisch gemeint.

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