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Mehr Leben

Pike Brothers – True Style aus Bad Feilnbach

Pike brothers aus Bad FeilnbachKommt ein Lehrer zur Bank und fragt nach einer Finanzierung für ein Textilunternehmen mit Bekleidung aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts – so hat kein Witz, sondern die Geschichte von Pike Brothers aus Bad Feilnbach 2008 begonnen. Der Gründer, Fabian Jedlitschka, ist tatsächlich studierter Geschichts- und Englischlehrer, die Bank hat seinen Finanzierungswunsch mit der Begründung “damit kann man doch kein Geld verdienen“ abgelehnt und sein Unternehmen Pike Brothers beliefert heute rund 120 Händler in der ganzen Welt.

Sein Unternehmen hat Fabian Jedlitschka auf der Basis eines Hobbys und seiner Interessen gegründet: Der Sammler alter Motorräder und historischer Armee- und Arbeiterbekleidung fand keine authentischen Klamotten, die zu den historischen Zweirädern passte und fing kurzerhand an, sich selbst die Teile zu nähen, die er persönlich suchte und wichtig fand. Schnell war in der Oldtimer-Szene die Nachfrage nach dem Look der 30er bis 60er Jahre entfacht und der Lehrer wurde Gründer eines Textilunternehmens. Anstelle der Bankfinanzierung kam das Start-Kapital dann aus dem Verkauf von Teilen seiner historischen Zweirad-Sammlung.

pike brothers schooling in bad feilnbachHeute wird der Trennungsschmerz durch den Erfolg der Marke mehr als kompensiert. Apropos Marke: Die Pike-Brothers gab es wirklich, ursprünglich wurde das Unternehmen von George und Joseph Pike in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als kleine exklusive Herren-Maßschneiderei in der Portobello Road in London gegründet. Als im Zweiten Weltkrieg die Alliierten nach England kamen, spezialisierten sich die Gebrüder Pike auf die Produktion von Uniformen für US-Army und US Air Force. Dabei kombinierten sie britische Stoffe und europäische Handarbeit mit dem Stil aus Übersee und schufen ein unverwechselbar eigenes Profil. Robuste Herrenbekleidung amerikanischen Ursprungs, europäisch beeinflusst – dieser Tradition fühlt sich Fabian Jedlitschka, der die Marke längst übernommen hat, auch heute verpflichtet.

Losgelöst vom textilen Alltagsbrei

pike brothers -have a pike dayPike Brothers Superior Garments hat sich erfolgreich auf die Fertigung von Army- und Workwear im Stil der dreißiger bis fünfziger Jahre spezialisiert. Dabei spielt die Qualität der Produkte die Hauptrolle: Sorgfältig ausgewähltes Material, kompetente Fertigung und viel Liebe zum Detail lassen Bekleidungsstücke entstehen, die optisch einzigartig und in ihrer Funktion „normalen“ Kleidungsstücken weit überlegen sind.

Entgegen aller Trends setzt das Unternehmen auf authentische Bekleidung wie Hosen, Hosenträger, Hemden oder Jeanswesten ohne Kompromisse. Losgelöst vom textilen Alltagsbrei entwickelt das Team von Pike Brothers so Bekleidung, die auf Bewährtes setzt, ohne den Blick für den Zweck des Produkts zu verlieren. Die Funktionalität überzeugt selbst den ADAC: Bei einem großen Test von Bike-Jeans belegte die „1958 Moto Roamer“ von Pike Brothers den zweiten Platz. Die Hose aus 11oz Selvage Denim ist auch die erste Motorrad Jeans, die nach dem Standard „EN 13595-1 mit Schutzklasse 2“ zertifiziert wurde!

pike brothers„Wir lassen unsere Modelle in Europa von kleinen, traditionsbewussten Webereien und Schneidereien in Handarbeit zu einzigartigen Stücken mit Blick auf größtmögliche Qualität verarbeiten. Aber nicht nur die Qualität steht im Vordergrund, sondern auch die Entstehungsgeschichte unserer Produkte. So arbeiten wir z.B. bei unserer Denim-Produktion mit traditionellen Webstühlen und in Arbeitsprozessen, die seit Generationen überliefert wurden. Wir fühlen uns dieser Tradition – dem True Style -verpflichtet“ erzählt Fabian Jedlitschka.

Was das bedeutet, ist beispielsweise bei der „Roamer 1937“, einer authentisch nachgebildeten Arbeitshose aus den 1930er Jahren, sichtbar. Das Beinkleid besteht aus 11 Unzen schwerem Raw Denim und hat einen geraden, weiten Schnitt mit hohem Leib und Knopfleiste. Entlang des Bundes befinden sich Zinkknöpfe, so original, wie sie zur damaligen Zeit im Einsatz waren, die zum Einknöpfen der Hosenträger dienen. Der Denim wurde auf einem alten 80cm Webstuhl gewebt und verfügt so über eine rote Webkante. Zur Weitenregulierung dient ein Chinch-Back-Riegel auf der Rückseite der Hose. Die Hose trägt heute der Hipster in einer Bar in Taiwan ebenso wie der Oberstudienrat aus Kleinlützelinde bei der Gartenarbeit.

Der Unternehmensgründer ist ein Qualitätsfreak und stets auf der Suche nach interessanten Mustern und besonderen Stoffqualitäten. Seine Frau, mit der er das Unternehmen führt, ist übrigens Textilingenieurin, sicher hilfreich für Firma und Ehemann. Hoch sind auch die Ansprüche an die Handelspartner, hier setzt Jedlitschka auf intensive Schulungen, denn die Komplexität der Produkte ist hoch, ihr Geschichte erzählenswert. Daher schult Mr. Pike-Brother Händler meist persönlich und mit einem speziell dafür entwickelten Schulungskoffer. Die Älteren unter uns erinnert das ein wenig an den klassischen Lehrerauftritt.

Wir erweitern unser Wissen:

pike brothers schulungDenim wird traditionell aus 100% Baumwolle hergestellt. Die Baumwolle wird in Ländern wie Amerika, Indien oder Afrika angebaut. Das Baumwollgewächs enthält Kapseln in denen sich Samen befinden. Aus diesen Samenfäden wird das Garn gesponnen. Rohbaumwolle ist meistens weiß und dadurch entsteht auch ein naturfarbenes/weißes Garn.
Um die typische blaue Färbung von Denim zu erhalten, wird das Garn mit einer Indigolösung gefärbt. Ab 1895 wurde natürliches Indigo durch synthetisches ersetzt. Das Färben war ein über mehrere Tage andauernder Prozess. So wurde das Garn über das Wochenende in der Färblösung getränkt und montags von den Färbern in die Sonne gelegt. Durch Oxidation wandelte sich die farblose Lösung in den typisch dunkelblauen Farbton.

Aus dieser Zeit stammen auch die heute noch verwendeten Begriffe „blau machen“ und „blau sein“, da die Färber die Wartezeit auch meist in der Sonne lagen und Bier tranken.

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