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Seeoner Kreis: Studie zum „Personal- und Bildungsbedarf der Unternehmen der Region18“

der_turmbau_zu_babelDer Seeoner Kreis hat kürzlich einen Studie zum Personal- und Bildungsbedarf der Unternehmen in der Region vorgelegt. Die im Rahmen des Projektes befragten 1130 Unternehmen haben zunächst mit einer Beteiligung von nur 18% gezeigt, wie wenig Bedeutung sie diesem Thema immer noch zumessen. Doch nun zur Studie: „Ziel des Projekts war, die regional relevanten Berufs- und Bildungsprofile zu ermitteln und herauszufinden, wie sich das Bild von heute aus in den nächsten fünf Jahren ändern wird. Die Ergebnisse zeigen, dass die Region auf ein Personaldefizit im Jahr 2020 zusteuert“, erklärte Franz Winterer, Vorstandsvorsitzender des Seeoner Kreises, bei der Ergebnispräsentation an der Hochschule Rosenheim.

Angesichts der bundesweiten Diskussion um das Thema Fachkräftemangel ist das Ergebnis der regionalen Studie keine Überraschung, belegt aber einmal mehr, dass die Region 18 trotz aller überbetonten landschaftlichen Reize und einer bisher hervorragenden Wirtschaftskraft, keine Insel der Glückseeligen ist. So sind derzeit knapp 50% der Unternehmen mit der Situation zur Personalgewinnung zufrieden, ein Drittel ist bereits heute unzufrieden. Zwei Drittel rechnen damit, dass sich die Lage bis 2020 verschärfen wird. Große Unternehmen haben aktuell weniger Probleme bei der Personalrekrutierung, vor allem für kleinere Unternehmen mit 20-99 Mitarbeitern gestaltet sich die Gewinnung von geeigneten Mitarbeitern jetzt schon schwieriger. Für die Zukunft sind insbesondere die großen Unternehmen deutlich pessimistischer. Was möglicherweise auch an ihrer Professionalität im Bereich Human Resources liegt – denn hier zählt nicht die Lokalfolklore im kleinen Karo der Politik, sondern ganz trocken der richtige Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz.

In den kommenden fünf Jahren wird der Personalbedarf der Unternehmen um 18% wachsen. Akademisch ausgebildetes Personal wird 2020 mit einer überdurchschnittlichen Steigerung von 21% noch gefragter sein. Fachkräfte werden in den nächsten fünf Jahren insbesondere in technischen Fachrichtungen (+12 %), der Informatik (+40 %) sowie in Bau und Architektur (+20 %) gesucht. Bei den Auszubildenden werden neben dem kaufmännischen Bereich vor allem Nachwuchskräfte in den Fachrichtungen Technik (+18%), Bau und Architektur (+30%) sowie der Informatik (+11%) benötigt.

Demografischer Wandel, Landflucht, Akademisierungswahn und der Wertewandel

Die von den Unternehmen genannten Ursachen für den erwarteten Mangel an Fachkräften sind ebenfalls die bundesweit gültigen: Demografischer Wandel, Landflucht zugunsten attraktiver Großstädte, Akademisierungswahn und der „Wertewandel“ der Generation Y. Wie schön, dass sich alle genannten Ursachen vermeintlich dem Einfluß der Unternehmen entziehen. Themen wie Arbeitgeberattraktivität, Informationen zu Ausbildungs- und Karrierechancen spielen keine Rolle – oder doch? Hatte nicht schon vor zwei Jahren die IdW Traun/Alz eine Studie vorgelegt, die recht eindrucksvoll wie traurig aufzeigte, wie wenig Ahnung die Jugendlichen eigentlich von den Angeboten der Unternehmen in unserer Region haben?

Die Unternehmen müssen und werden ihre Rekrutierungsaktivitäten den Umständen anpassen, denn Bewerber können sich heute ihren Arbeitgeber und ihre Zukunft aus einem sehr großen Angebot aussuchen und da bleibt dann mancher mittelständische Familienbetrieb mit altbackener Selbstdarstellung schnell auf der Strecke. Hier sind die Unternehmer deutlich stärker als bisher gefordert. Die Unterstützung von Wirtschaftsförderung und IHK ist scheinbar auf die Bildung von Arbeitskreisen beschränkt – und selbst hier fehlt, wie an der eingeschlafenen Initiative „Fachkräfteallianz Region 18“ zu erkennen ist, offenbar jeglicher Wille oder Fähigkeit zu einem sinnvollen Lösungsbeitrag. Klar sollte allen Beteiligten und Betroffenen dabei auch sein, Fachkräftemangel ist kein Luxusproblem, sondern eine ernsthafte Bedrohung für den wirtschaftlichen Wohlstand unserer Region.

Aufwertung der Region gefordert

Die befragten Unternehmen erkennen eine Reihe von Möglichkeiten, um der Herausforderung zu begegnen: Sie setzen auf die Etablierung der Unternehmenskultur, eine starke Unternehmensmarke, auf interne Weiterbildungen sowie flexible Arbeitszeitmodelle. Aber auch externe Maßnahmen (sic!) haben nach Meinung der Unternehmen starken Einfluss auf die Personalgewinnung. Wir zitieren: „An oberster Stelle nennen sie (die Unternehmen) Kommunikationsmaßnahmen zur Aufwertung der Region, gefolgt von der Verbesserung der regionalen Rahmenbedingungen, wie Infrastruktur und Wohnraum und regionale Ausbildungsangebote – gerade bei der Umsetzung dieser Instrumente sehen die Unternehmen starken Handlungs- und Nachbesserungsbedarf, der jedoch nicht in ihrem Einflussbereich liegt: ein Appell an die politisch Verantwortlichen“.

Allein: Die Leistungsbilanz der politisch Verantwortlichen zur wirtschaftlichen Aufwertung der Region erinnert eher an ein Messer, dem sowohl der Griff als auch die Klinge fehlen. Andere Regionen gehen mit den gleichen Herausforderungen deutlich klüger und erfolgreicher um – ein gutes Beispiel ist Augsburg und die Initiative A3. Fragwürdig ist zudem auch die hohe personelle und finanzielle Ausstattung der Tourismusförderung im Vergleich zur Wirtschaftsförderung, hier könnten die „politisch Verantwortlichen“ leicht die Gewichtung nach der tatsächlichen und nicht nach der gefühlten Bedeutung des Wirtschaftszweiges verändern. Eine große Zahl und vor allem besser qualifizierte Wirtschaftsförderer, die mehr als nur die dekorativen Bewohner politischer Vorzimmer von Landräten und Bürgermeistern sind, wären eine enorme Verbesserung.

 

 

 

 

 

 

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